Parental Alienation Abuse

Eltern bleiben - Ein Leben lang

Parental Alienation Abuse

16. Juli 2019 Parental Alienation 0

Ich bin ja immer etwas vorsichtig, wenn neue “Syndrome” plötzlich Modeschlagworte werden und verschiedene Symptome einen Krankheitscharakter bekommen.

Aufmerksamkeits-Defizit oder Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) ist so eines, welches mir immer Bauchschmerzen bereitet, wenn so getan wird, als wäre das eine Epidemie, welche rasend um sich greift, denn, auch wenn es dieses Phänomen als Krankheit tatsächlich gibt, wird diese Diagnose heutzutage viel zu leichtfertig gefällt. Es ist aber auch nicht so schwer nachzuvollziehen, dass sich viele Eltern und Lehrer mit dieser Diagnose „anfreunden“. Schließlich enthebt es sie der Verantwortung und somit der Notwendigkeit zu selbstkritischen Reflexion, was sie selber bei der Erziehung und Sozialisierung ihrer Kinder und Schüler falsch gemacht haben. Eine Diagnose “Das ist eine Krankheit” kann da sehr entlastend sein.

Aus Erfahrung wird man Klug

Die Symptome der Parental Alienation oder Eltern-Kind-Entfremdung kann ich aus persönlichen Gründen sehr gut nachempfinden, denn letztendlich bin ich selber ein Kind, dem der Vater entfremdet wurde. Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum sich die WHO schwer damit tut, Parental Alienation Syndrom im F-Block des ICD-11 aufzulisten (wo psychische Störungen zusammengefasst sind), denn auch da geht in diesem Bereich der International Statistical Classification of Diseases zu einem großen Teil nicht um Krankheiten, die einen überfallen wie eine biblische Plage, sondern wie z. B. bei der „Posttraumatische Belastungsstörung“ um Reaktionen auf traumatisierende Situationen, die dem Betroffenen das Leben schwer machen.

Jesper Juul schreibt dies in einem Artikel für das Schweizer Elternmagazin „Fritz und Franzi“ in einer schönen Deutlichkeit

Ich bin davon überzeugt, dass ein Grossteil der Kinder und Jugendlichen, denen heutzutage verschiedene Verhaltensstörungen zugeschrieben und die manchmal gar von der Schule verwiesen werden – unter anderem, weil die Erwachsenen nicht wissen, wie sie sich ihnen gegenüber kon­struktiv und empathisch verhalten können –, in Wahrheit unter PTBS, einer Posttraumatischen Belastungsstörung, leiden.

https://www.fritzundfraenzi.ch/erziehung/elternbildung/jesper-juul-uber-traumatisierte-scheidungskinder

Allerdings fällt es mir auch schwer, bei der Parental Alienation die Bezeichnung „Syndrom“ zu verwenden, die nahelegt, dass es sich um eine Krankheit handelt.

Letztendlich ist Eltern-Kind Entfremdung ein Ausnutzen dieser Belastungsstörung, die eine Scheidung bei einem Kind auslöst, vor allem wenn die Trennung konfliktreich ist und den Streit der Eltern nicht beendet. Verursacht wird sie durch Eltern, die ihre Kinder zum Abarbeiten der verletzen Gefühle missbrauchen. Aus diesem Grund solle man auch nicht von „Syndrom“ reden, sondern ganz nüchtern von Missbrauch, denn emotionaler Missbrauch ist es, wenn Eltern den Stress, denn die Scheidung/Trennung für die Kinder bedeutet, ausnutzen um sie zu Soldaten in ihrem Rosenkrieg zu machen.

Keine Persönlichkeitsstörung sondern Missbrauch

Letztendlich ist es viel zu harmlos hierüber wie von einer Krankheit zu sprechen, und damit den Verursacher aus der Verantwortung zu entlassen. denn eine Krankheit zeichnet sich für mich durch folgendes aus:

  1. Mangelnde Selbstfürsorge (wie zum Beispiel bei „Der kleine Wassermann“ von Ottfried Preussler wo der Wassermann Fieber bekommt, weil er mit trockenen Füßen herumgelaufen ist. ) Davon zu sprechen, dass die Parental Alienation in diesem Sinne eine Krankheit ist, überhöht die Anforderung an kindlicher Selbstverantwortung unangemessen. Obwohl ich auch schon mal eine Diskussion mit einer Trennungsberaterin hatte, die meinte, es wäre doch meine Aufgabe gewesen, die Lügen meiner Mutter auf Wahrhaftigkeit zu überprüfen. Als 12-Jähriger. Sicherlich und nebenbei hätte ich den Krebs heilen und Demokratie nach Kuba bringen können, vor allem wo heutzutage die Helferindustrie eher mit Aussetzung des Umganges reagiert, als mit tatsächlicher Hilfe und somit das Kind jeder Möglichkeit beraubt via praktischer Erfahrungen die Lügen zu widerlegen. Man könnte natürlich sagen: Die Eltern, als die für das Kind verantwortlichen Sorgeberechtigten, würde diese mangelnde Pflege begehen. Ähnlich wie die Eltern vom kleinen Wassermann sollten Sie eigentlich dafür Sorgen, das Junge keine trockenen Füße bekommt, aber dann wird aus einer gezielten Manipulation nur eine Nachlässigkeit des entfremdenden Elternteiles, was der Sache nicht gerecht wird.
  2. Das mangelnde Gesundheitsgefühl: Das größte Problem bei der Parental Alienation ist leider das fehlende Krankheitsgefühl. Kinder, die Parental Alienation-Opfer sind, verstärken die Bindung zum verbliebenen Elternteil und nehmen deshalb die Lügen dieser Hauptbezugsperson willig an. Einige reden hier auch von Ausnutzen des Loyalitätskonfliktes, den das Kind zwischen seinen Eltern hat. Der aus dem Alltag ausgeschiedene Elternteil muss aus dem eigenen Leben verbannt werden, um die Bindung zum verbliebenen Elternteil zu stabilisieren. Es ist deshalb nicht so, dass entfremdete Kinder das Gefühl haben, es fehle ihnen etwas. Im Gegenteil: Ich selber habe den „Wunsch“, meinen Vater nicht zu sehen, 17 Jahre lange bis zu meinem 35. Geburtstag mit glühendem Eifer verteidigt, und das war leider nicht mit Fieberwahn zu rechtfertigen. Ähnlich wie bei der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung fehlt den Betroffenen jegliche „Krankheitseinsicht“ was deren Behandlung auch so schwer macht. Wenn solche Kinder vom Familienrichter befragt werden, ob sie den anderen Elternteil sehen wollen sind sie felsenfest überzeugt, dass ihre Abneigung aus eigener Motivation resultiert. Das ist ein Grund, weshalb in der Cochemer Praxis auch der Aussage des Kindes nur sehr kritisch Bedeutung geschenkt wurde. Solche Kinder können eine Liste von Gründen aufzählen und leider sind die wenigsten Familienrichter psychologisch so geschult, dass sie dabei heraushören würden, dass es in den seltensten Fällen Gründe sind, die das Kind selber betreffen. Ich konnte haarklein Erzählen was mein Vater meiner Mutter und meinen Brüdern angetan hat. Auf die Frage, was er mir denn getan hat, wäre mir damals nichts eingefallen und selbst wenn ich diese gehabt hätte, wäre ich mir nicht so sicher, inwiefern diese Gründe auf jenen Erzählungen meiner Mutter basierten, die sie immer mit den Worten einleitete „Ich wollte ja nie etwas Schlechtes über deinen Vater sagen, aber…“
    Letztendlich fällt es den Kindern meist frühestens dann auf, wenn sie selber in der Rolle des entfremdeten Elternteiles stecken. Dann zweifelt man, ob die Geschichten, die der eigene Elternteil erzählt hat, vielleicht ähnlich wahr sind, wie die Lügen, die die eigenen Kinder jetzt erzählt bekommen. Erst wenn sich ein Ende der „Krankheit“ anbahnt, nimmt man die Ergebnisse der Entfremdung als etwas Störendes wahr, wenn die durch die Entfremdung entstandenen Mängel z. B. im Rollenverhalten zu offensichtlich negativ das eigene Leben, z. B. beim Gestalten von Beziehungen beeinflusst haben.
  3. Der Krankheitserreger: Selbstverständlich kann man den entfremdenden Elternteil hier als „Erreger“ deklarieren. Was mich aber an dieser Einstufung stört ist, dass man diesen Elternteil hiermit moralisch freisprechen könnte. Ein Grippevirus ist nicht moralisch zu verurteilen. Der Grippevirus hat nicht das Ziel die Krankheit zu erzeugen, er pflanzt sich fort und dabei entsteht die Krankheit als Kollateralschäden. Diese Analogie kann man leider nicht auf den entfremdenden Elternteil anwenden. Ein entfremdender Elternteil befriedigt seinen Narzissmus oder seine verletzte Eitelkeit auf Kosten des Kindes.

Eltern die Entfremdung betreiben, missbrauchen ihre Kinder. Sie befriedigen zwar nicht ihre sexuelle Notdurft, aber moralisch höherwertiger sind ihre Motive deshalb nicht: Sie missbrauchen ihre Kinder entweder, als Gatekeeper um sich an deren Ablehnung des anderen Elternteiles ihr Ego aufzupolieren oder sie benutzen ihre Kinder, als Waffe um sich an dem in Ungnade gefallenen Ex-Partner zu rächen.

StGB statt ICD-11

Anstatt dafür zu kämpfen, dass Eltern-Kind-Entfremdung in den ICD-11 aufgenommen wird, sollte man diesen Kindesmissbrauch lieber ins Strafgesetzbuch aufnehmen und Eltern, die sich auf diese Weise an ihren Kindern vergehen, lieber mit Sorgerechtsentzug – und in schweren Fällen mit Gefängnis – bestrafen.

Aber es verwundert nicht, dass alleinerziehenden Verbände und Mutterlobby-Vereine lieber über die Wissenschaftlichkeit des Begriffes Syndrom diskutieren wollen, um davon abzulenken, aktiv gegen dieses Verhalten vorzugehen und dieses gesellschaftlich zu ächten. Unterstützen sie doch ihre Klientel bereitwillig dabei. Statt „Parental Alienation Syndrom“ sollten wir deshalb lieber „Parental Alienation Abuse“ nennen.

 

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